Aus nach 36 Jahren: Der Verband Schweizer Regionalmedien wird aufgelöst

Der Verband Schweizer Regionalmedien (VSRM) wird per
30. Juni 2026 aufgelöst: Der Klein Report hat mit Geschäftsführer
Moreno Cavaliere über die Gründe, den Verlust lokaler journalistischer
Vielfalt und über den Kampf um mehr politische Anerkennung der
regionalen Medien gesprochen. Cavaliere führte den VSRM mehrere
Jahre.

Was sind die Gründe für die Auflösung des VSRM?

Moreno Cavaliere: «Diese sind vielfältig. Aber hauptsächlich
folgen wir als einer der wenigen Verbände der Empfehlung
verschiedener Bundesräte Leuthard, Sommaruga, Rösti sowie
verschiedener Politiker oder Mitarbeiter:Innen des BAKOM doch mit
einer Stimme vorzusprechen, wenn es um politische Themen wie
Medienförderung etc. geht. Es ist in der Tat schwer
nachvollziehbar, wenn zum Teil kleine Mediengruppen mit
verschiedenen Kleinstverbänden versuchen ihre
Partikularinteressen durchzubringen. Wir haben uns entschieden,
uns dem VSM anzuschliessen, da wir schliesslich in Zukunft
ebenfalls für journalistische Leistungen und nicht für
Vertriebssysteme etc. entschädigt werden möchten.»

Warum ist es trotz steigender Reichweite nicht gelungen, den
Verband langfristig zu stabilisieren?

Cavaliere: «Die Reichweite ist nicht gestiegen in den letzten
Jahren. Im Gegenteil, es sind namhafte Titel  verschwunden oder
wurden von Medienhäusern aufgekauft, welche ebenfalls schon
Mitglieder des VSM sind. Ebenso sind 4 langjährige Mitglieder des
VSRM ebenfalls schon immer auch VSM Mitglieder gewesen.»

Wenn selbst ein Medienverband die Kraft zur gemeinsamen
Interessenvertretung verliert: Was sagt das über den Zustand der
Regionalmedien in der Schweiz aus?

Cavaliere: «Dass die Regionalmedien, wie aber auch die
überregionalen grossen Tageszeitungen grossen Herausforderungen
ausgesetzt sind, ist bekannt. Da unsere Mitglieder aber
ausschliesslich Gratiszeitungen sind, kann man sich leicht
vorstellen, dass die wirtschaftlichen Herausforderungen gerade
für die Gruppe von Produkten mit starkem Lokaljournalismus erst
recht leiden, da sie ausschliesslich vom Werbemarkt finanziert
werden. Ohne Medienförderung oder sonst welchen Einnahmen.»

Wie dramatisch ist aus Ihrer Sicht der Verlust lokaler
journalistischer Vielfalt tatsächlich?
Moreno Cavaliere: «Der Verlust von lokal starken Medien ist ein
Drama und gefährdet unsere Demokratie. Das unterscheidet sich
nicht zu den grossen Tageszeitungen.»

Was konnte der VSRM seit der Gründung 1990 konkret erreichen,
das ohne Verband nicht möglich gewesen wäre?

Cavaliere: «Es ist uns in all den Jahren gelungen, auch dank
guten Beziehungen des aktuellen Präsidenten an die höchsten
politischen Gremien zu gelangen und uns entsprechend Gehör zu
verschaffen. Dazu ist eine Gemeinschaft entstanden, ich würde
beinahe sagen eine Freundschaft, die sich regelmässig austauschen
konnte in allen 3 Landesteilen. Und last but not least konnte ein
Verbund geschaffen werden, der die Hohe Weihe auf den
Lokaljournalismus spricht.»

Der Verband kämpfte um mehr politische Anerkennung der regionalen
Medien und um Medienförderung, mit welchem Resultat?

Cavaliere: «Siehe auch oben. Das war ein Kampf gegen Windmühlen
(Medienförderung, Posttarife etc.). Die Anhörung und Platzierung
der Themen ist uns gelungen. Das kurzfristige Resultat war aber
schon immer wieder auch ernüchternd, da die Bereitschaft einer
Änderung des Medienförderungsgesetzes diese Kategorie nicht in
verdientem Masse berücksichtigte.»

Profitieren am Ende vor allem grosse Verlagshäuser wie unter
anderem TX Group oder CH Media von der Medienförderung, während
kleine Regionaltitel verschwinden?

Cavaliere: «Mit dem Medienförderungsgesetz, wie es nun für die
nächsten 7 Jahre steht, ist das exakt so. Ich möchte aber
betonen, dass wir mit der Angliederung einzelner Mitglieder an
den VSM und seine hervorragende Organisation und den steten
Austausch mit den grossen Medienhäusern in sehr professionellem
und freundschaftichen Austausch sind. Und wer weiss, wie der Wind
in 7 Jahren weht...»

War die Solidarität unter Regionalverlagen am Ende kleiner als
der Konkurrenzdruck?

Moreno Cavaliere: «Nein die Solidarität war immer hervorragend
und die Unterstützung und Mitarbeit der Mitglieder war ganz toll.
Zumindest für die Zeit in der ich die Geschäftsführung inne
hatte, kann ich das bestätigen.»